Marokko und Toubkal-Besteigung

September 2017

Es war bereits Nachmittag, als wir uns entschieden umzukehren. Die Expedition war fehlgeschlagen. Woran lag es? Mangelnde Vorbereitung? Zu knapp geplanter Aufenthalt? Ein paar Tage mehr und wir hätten es nochmals versuchen können. Diese Tage hatten wir aber nicht und das Wetter spielte einfach nicht mit. Wir haben unser Ziel, den Gipfel des Toubkals, verfehlt. Aus und vorbei.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass wir es ziemlich genau ein Jahr später nochmals versuchen werden…

Marokko

Bevor wir mit dem Reisebericht starten sind hier einige Informationen über Land und Leute. Das Königreich im Norden Afrikas zählt 34 Millionen Einwohner und ist ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Neben der Hauptstadt Rabat sind die bekanntesten Orte Marrakesch, Casablanca und Agadir. Die offizielle Landessprache ist Arabisch, wobei auch Französisch im ganzen Land benutzt wird. Englisch gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Unsere Ziele in den Jahren 2017 und 2018 waren Marrakesch, das Atlasgebirge mit Aufenthalten in den Dörfern Imlil und Aroumd, sowie Agadir, die Stadt am Meer mit den weiten Stränden. Das Hauptziel war in beiden Jahren der Gipfel des Toubkals.

Toubkal

Der Toubkal ist nicht nur der höchste Berg in Marokko, sondern der höchste von ganz Nordafrika. Er ist ein beliebter Trekkingberg und liegt im Atlasgebirge. Die stattliche Höhe des Gipfels beträgt 4’167 Meter über Meer. Die Wanderung auf den Gipfel ist zwar technisch einfach, aber wegen ihrer Länge nicht zu unterschätzen. Meistens wird der Berg innert zwei Tagen erwandert. Startpunkt ist entweder das Dorf Imlil auf 1’740 m oder – 150 Meter höher gelegen – das Dorf Aroumd. Auf 3’200 m hat man die Möglichkeit in der Toubkal Hütte zu übernachten, wo auch Essen serviert wird. Direkt daneben gibt es noch eine zweite Hütte – Les Mouflons.

August 2018

Ein Jahr später und wir nahmen einen neuen Anlauf. Dieses Mal musste es klappen denn ich wusste nicht, ob wir noch einen dritten Versuch unternehmen würden. Wir – das sind mein guter Freund Hernani und ich. Wir sind beide passionierte Wanderer und haben in den Schweizer Bergen schon manchen Gipfel zusammen erreicht.

Da unser Flug erst am späteren Nachmittag landete entschieden wir uns eine Nacht in Marrakesch zu verbringen. Die Stadt kannten wir bereits aus dem Vorjahr und hatten keine Intentionen, uns längere Zeit dort niederzulassen. Das Hotel war in der Nähe des berühmten Hauptplatzes von Marrakesch. Wie im Vorjahr ging es hier auch dieses Mal wieder sehr chaotisch und laut zu und her.

Der Hauptplatz von Marrakesch

Nach dem Abendessen in einem Restaurant mit toller Aussicht auf den Platz gingen wir ins Hotel und bereiteten uns mental auf die kommenden Tage vor. Morgen fahren wir ins Atlas Gebirge und schon bald werden wir einen weiteren Versuch unternehmen den Gipfel des Toubkals zu erreichen.

Auf ein Neues!

Da das Hotel trotz der Nähe zum hektischen Hauptplatz an einer relativ ruhigen Gasse lag, war die Nacht angenehm und störungsfrei. Nach dem Frühstück liefen wir noch etwas durch die Stadt und suchten uns dann ein Taxi, welches uns nach Imlil fahren sollte.

Es gibt auch ruhigere Seiten in Marrakesch

Die Fahrt verlief bestens und wir legten die gut 100 Kilometer in etwa 90 Minuten zurück. Während wir 2017 in Imlil übernachtet haben, entschieden wir uns dieses Mal für das nächst höher gelegene Dorf Aroumd. Dies, weil der Weg zum Gipfel so um etwa 30 Minuten kürzer war und etwa 150 Höhenmeter gespart werden konnten. Es gab eine Bergstrasse von Imlil nach Aroumd und als wir im Dorf ankamen wurden wir bereits vom Inhaber unseres Gasthauses begrüsst. Wir mussten dann mit ihm noch etwas durch schmale Gassen laufen, ehe wir die Unterkunft erreichten. Das war gar nicht so einfach mit unserem grossen Gepäck.

Die Berber, die hier wohnten, waren alle extrem freundlich und man spürte richtig, dass Gastfreundlichkeit für sie sehr wichtig war. Wir fühlten uns auf jeden Fall sehr wohl und alles schien hier freundlicher und entspannter als in Imlil, wo der Tourismus die Haupteinnahmequelle war.

Nach der Ankunft wurde uns sofort Tee serviert, so wie es sich in Marokko gehört. Danach gingen wir auf unser Zimmer und ruhten uns ein wenig aus. Bis jetzt lief alles ausgezeichnet und wir waren guten Mutes, unser grosses Ziel bald zu erreichen.

Am Abend wurde dann noch ein leckeres Essen aufgetischt. Tajine, das traditionelle und berühmte Gericht Marokkos. Wir haben es bereits im letzten Jahr einige Male gegessen und waren jedes Mal von diesem Eintopf begeistert, welcher mit frischem Brot serviert wird.

Tajine – Der Klassiker der marokkanischen Küche

Dank dem guten Essen hatte sich unsere Laune sogar noch verbessert und wir gingen vollends zufrieden in unser Zimmer, wo wir uns für die Nachtruhe zurückzogen.

Bereits morgen werden wir in Richtung Toubkal aufbrechen. Die Nacht in der Toubkal Hütte auf 3’200 m hatten wir schon vor einiger Zeit online gebucht für morgen Nacht. Wir hatten also die Möglichkeit entweder bereits morgen den Gipfel zu versuchen, um dann beim Abstieg in der Hütte zu übernachten. Oder – und dies war die zweite Option – wir würden morgen lediglich zur Hütte wandern und am folgenden Tag den Aufstieg wagen. Wir entschieden uns auf jeden Fall, möglichst früh aufzubrechen um alle Optionen offen zu lassen. Sollten wir uns bei der Hütte gut fühlen und noch genug Zeit haben, werden wir es versuchen.

Der lange Aufstieg ins Glück

Früh sind wir los marschiert. Aroumd liegt auf 1’900 m und der Gipfel liegt auf 4’167 m. Da es zu Beginn noch ein wenig Auf und Ab ging, mussten insgesamt also über 2’300 Höhenmeter überwunden werden bis man ganz oben war. Für einen Tag war dies ganz schön viel, aber machbar war es durchaus wenn die Tagesform stimmt.

Da wir den Weg noch vom Vorjahr kannten, kamen wir schnell voran und gewannen rasch an Höhe. Schon bald erreichten wir ein erstes Zwischenziel, das Pilgerdorf Sidi auf 2’300 m.

Der Vormittag war nun schon fortgeschritten und die Sonne brannte vom Himmel. Es wurde immer heisser und der Schweiss floss in Strömen. Umso wichtiger war, dass wir genug zu Trinken dabei hatten. Auf dem Trockenen bleiben muss man auf dieser Tour zumindest bis zu den Toubkal Hütten jedoch nicht, denn unterwegs gibt es immer wiedermal eine Möglichkeit bei einem Verkaufsstand etwas zu kaufen.

Karge Landschaften prägen das Bild im Atlas Gebirge

Der Weg zog sich ganz schön in die Länge und nach knapp 4 Stunden Aufstieg erreichten wir dann die Toubkal Hütten auf 3’200 m. Es war nun Mittag und wir standen vor einer wichtigen Entscheidung. Zuerst gönnten wir uns aber ein Mittagessen und ruhten uns im Zimmer etwas aus. Der weitere Aufstieg würde etwa 3 Stunden dauern und wenn wir nun um 13:00 Uhr loslaufen, wären wir erst um ca. 16:00 Uhr auf dem Gipfel, was schon ziemlich spät war, denn wir sollten unbedingt vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück bei den Toubkal Hütten sein.

Aber wir fühlten uns gut und wollten es probieren. Falls es nicht reichen sollte, so wäre es immerhin eine gute Akklimatisationstour und morgen könnten wir einen neuen Versuch starten.

Gleich nach den Hütten zog sich der Weg im Zick Zack steil in die Höhe. Ab und zu musste man sogar die Hände benutzen um über einen Felsbrocken zu klettern. Das Ganze war jedoch jederzeit absolut machbar, ungefährlich und ohne Schwierigkeiten verbunden. Ausgesetzt war man während der ganzen Wanderung nie.

Höhenbedingt fiel das Atmen nun zunehmend schwerer, immerhin näherten wir uns der 4’000 m Marke. Allzu viele Leute schienen an diesem Tag nicht auf dem Gipfel gewesen zu sein, denn es kamen uns nur wenige Wanderer entgegen. Falls wir den Gipfel erreichen sollten, würden wir definitiv die Letzten sein am heutigen Tag, normalerweise startet man den Gipfelsturm früh morgens von den Toubkal Hütten aus, so dass man zur Mittagszeit oder am frühen Nachmittag zurückkommt.

Die Beine wurden nun schwer und jeder Schritt war mühsam. Wir machten viele Pausen und schienen sehr langsam vorwärts zu kommen. Es war nun bereits 15:00 Uhr und vom Gipfel noch keine Spur.

Immerhin sind wir weiter gekommen als letztes Jahr, denn den damaligen Umkehrpunkt hatten wir vor etwa einer Stunde passiert. Es war damals einfach zu windig und stürmisch geworden und wir waren noch später dran als heute. Darum war es die richtige Entscheidung umzukehren. Es machte keinen Sinn etwas zu erzwingen oder sogar die Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Es wurde nun aber langsam spät und ich fing mir an Sorgen zu machen, den Abstieg im Dunkeln beenden zu müssen. Wir liefen jedoch noch immer aufwärts und Umkehren schien heute einfach keine Option zu sein. Wir sind nun schon zu weit gekommen und wollten diesen Gipfel unbedingt heute noch «eintüten».

Dann endlich war der Gipfel in Sicht, es würde aber noch mindestens 30 Minuten dauern bis wir ganz oben waren. Das Adrenalin gab uns nun nochmal zusätzliche Energie. Nicht mehr lange und wir stehen auf dem Gipfel, was für eine Genugtuung nach der Enttäuschung vom letzten Jahr.

Es war bereits 16:45 Uhr als wir endlich ganz oben standen. Wir hatten tatsächlich nochmals knappe 4 Stunden gebraucht seit wir von den Toubkal Hütten losgelaufen sind. Die Gesamtzeit für den Aufstieg belief sich somit total auf 8 Stunden.

Die Müdigkeit war nun aber wie weggeblasen und wir freuten uns über den Erfolg. Wie zu erwarten hatten wir den Gipfel für uns allein, was für ein grossartiges Erlebnis.

Es ist vollbracht. Ich stehe auf dem Gipfel

Da es nun schon ziemlich spät war machten wir uns schon bald wieder an den Abstieg. Es würde ab 19:00 Uhr immer dunkler werden und um 20:00 Uhr wäre es dann schon regelrecht finster. Wir hatten zwar unsere Stirnlampen dabei, aber bei Dunkelheit einen Berg in Marokko runterlaufen musste nicht unbedingt sein. Daher machten wir uns zügig auf den Rückweg und versuchten so schnell wie möglich runter zu kommen.

Wie sich herausstellte war unser Timing perfekt und gute zwei Stunden später, als es gerade anfing einzudunkeln, erreichten wie die Hütten.

In den Hütten konnten wir gegen ein kleines Entgelt noch kalt duschen und anschliessend etwas kleines Essen. Für eine grosse Mahlzeit waren wir einfach zu erschöpft und schon bald schliefen wir tief und fest.

Endlich Ferien!

Nach einer erholsamen Nacht konnten wir es nun etwas ruhiger angehen und liefen gemütlich wieder runter bis zu unserer Unterkunft im Dorf Aroumd. Die ganze Anspannung war nun weg und wir konnten mit viel Stolz auf den gestrigen Tag zurückblicken.

Während dem Abstieg waren wir in unsere Gedanken versunken und wünschten den hochlaufenden Wanderern viel Glück.

Nach ein paar Stunden waren wir dann wirklich froh, wieder unten zu sein, denn die lange Wanderung gestern hatte ihre Spuren hinterlassen. Füsse und Beine schmerzten und es wurde nun auch wieder so richtig heiss.

Wieder in Aroumd schien ein Dorffest in vollem Gange zu sein. Es gab Männer, die in Ziegenkostümen gekleidet herumliefen und kleine Kinder erschreckten. Dazu schien das ganze Dorf auf dem Platz vor unserem Hotel versammelt zu sein.

Es wurde getanzt und es war faszinierend dem Treiben zuzusehen.

Versammlung im Dorf Aroumd

Dann war dieser Tag auch schon wieder vorbei. Morgen werden wir ebenfalls in Aroumd verbringen, ehe wir uns an die Weiterreise nach Agadir machten. Den Transport dorthin hatten wir noch nicht und wir wollten morgen mit unserem Gastgeber sprechen, damit er uns einen guten Deal unterbreiten wird.

Tatsächlich war es kein Problem von Aroumd per Auto nach Agadir zu kommen. Wir erhielten einen fairen Deal und bezahlten die Fahrt im Voraus. Dann hiess es Abschied nehmen von den herzlichen Berbern und wir machten uns auf den Weg in Richtung Agadir. Die Fahrt dauerte mehrere Stunden und führte über einen Pass.

In Agadir angekommen stellte sich dann Ferienstimmung ein. Wir gingen während den nächsten Tagen in viele verschiedene Restaurants und liessen es uns so richtig gut gehen. Sämtliche Kalorien, die wir während der Toubkal Wanderung verloren haben, futterten wir uns wieder an.

Agadir ist eine Stadt an der westlichen Küste Marokkos mit etwa 420’000 Einwohnern. Es ist ein beliebtes Urlaubsziel mit breiten Stränden und einer langen Uferpromenade. Ausserdem hatte es viele Restaurants und Bars, die hier Alkohol auf der Getränkekarte listeten, etwas was man nicht überall in Marokko serviert bekam.

Die weiten Strände von Agadir

Nach ein paar Tagen der Völlerei neigte sich dann auch diese Reise dem Ende zu und wir machten uns auf den Weg zum Flughafen, um zurück in die Schweiz zu fliegen.

Vielen Dank fürs Lesen!

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