Nepal

Namche Bazar, Nepal – 25. April 2015

Nur noch ein paar Tage und ich werde endlich den Mount Everest aus nächster Nähe bestaunen dürfen. Mit ein wenig Glück hätte es bereits heute soweit sein können, jedoch spielte das Wetter nicht mit. Die heutige Wanderung bei meinem Akklimatisationstag in Namche Bazar brachte mich auf fast 4’000 Meter über Meer. Dabei hätten wir an einen Aussichtspunkt gelangen sollen, von wo man den höchsten Berg der Welt aus der Ferne hätte sehen können. Leider war es den ganzen Tag stark bewölkt, so dass die Fernsicht gleich Null war. Wir waren gerade beim Syangboche Flugfeld angekommen – eines der höchst gelegenen Flugfelder der Welt – als es auch noch zu rieseln begann. Da entschied mein Guide Narayan, dass wir besser umkehren und wieder runter gehen nach Namche Bazar. Recht hatte er, denn bei schlechter Witterung in den Bergen lohnt es sich nicht ein Risiko einzugehen.

Nun liege ich seit gut einer Stunde auf dem Bett in meinem Zimmer und ruhe mich aus. In den nächsten Tagen wird das Wetter ganz bestimmt besser und hoffentlich werde ich schon morgen den Everest sehen. Jetzt bin ich richtig hungrig. Bald gibt es Mittagessen und von unten sind die bekannten Geräusche der Essensvorbereitung aus der Küche zu hören. Was soll ich heute essen? In den letzten Tagen hatte ich meistens Dal Bhat gegessen, das typische Alltagsgericht aus Nepal bestehend aus Linsensuppe, Reis und Gemüse. Eine sehr ausgewogene und vielfältige Mahlzeit, die mir immer gut schmeckte. Aber schon wieder Reis? Gebratene Nudeln oder Momo wären auch mal was, oder vielleicht sollte ich mal etwas ganz neues ausprobieren und…..Moment, etwas stimmt nicht. Warum zittert alles plötzlich? Ist das ein Erdbeben? Es ist ein Erdbeben! Schnell raus…

Nepal ruft – und ich folge

Eine Reise beginnt immer mit einer Idee und diese kann mir Wochen, Monate oder sogar Jahre vor dem Einsteigen ins Flugzeug in den Sinn kommen. Nun war es also wiedermal soweit und ich hatte die Idee nach Nepal zu gehen. Genauer gesagt wollte ich das Everest Base Camp Trekking absolvieren, eine 2-wöchige Wanderung im Himalaya Gebirge. Das Hauptziel war der Mount Everest, seines Zeichens der höchste Berg dieser Erde mit seinen 8’848 Metern über Meer. Da ich kein Bergsteiger bin, wollte ich natürlich nicht auf den Gipfel, aber immerhin ins Basis Lager, welches auf 5’364 m liegt. Ausserdem beinhaltet die Tour die Besteigung des Kala Patthar, ein 5’600 m hoher Aussichtsberg, der tolle Blicke auf den Everest bietet. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch nie in solchen astronomischen Höhen unterwegs war, wusste ich nicht was auf mich zukam und vertraute darauf, dass ich schon irgendwie durchkommen werde.

Nepal liegt zwischen Indien und Tibet und zählt 28 Millionen Einwohner. Von Zürich via Istanbul wollte ich nach Kathmandu fliegen. Von dort sollte mich ein weiterer, kurzer Flug nach Lukla bringen, von wo das Trekking starten würde. Gebucht habe ich meine internationalen Flüge selbst und für die zwei Wochen in Nepal habe ich die Agentur Nepal Hiking Team ausgewählt, die ich nun im Nachhinein wärmstens empfehlen kann. Während der ganzen Zeit hatte ich einen freundlichen, erfahrenen Guide an meiner Seite und wurde bestens betreut.

Die verspätete Ankunft in Kathmandu – 22. April 2015

Los geht’s, auf nach Nepal! Der Flug nach Istanbul verlief reibungslos. Nun hiess es Umsteigen für die Weiterreise nach Kathmandu. Als ich auf den Monitoren nach meiner Flugnummer Ausschau hielt kam die erste Ernüchterung: 4 Stunden Verspätung! Au Backe, was für ein schlechter Beginn. Sofort sendete ich eine E-Mail an Ganga, den Inhaber von Nepal Hiking Team und informierte ihn über meine Verspätung. Somit war gewährleistet, dass er nicht unnötig zu früh zum Flughafen kam, da er mich bei meiner Ankunft dort abholen kommt.

Ich schlenderte etwas durch den quirligen Flughafen und schlug die Zeit tot. Dann, nach endlos erscheinenden vier Stunden, war endlich Boarding angesagt und die Maschine hob ab. Ich hatte einen guten Platz in der ersten Reihe und konnte etwas schlafen. Statt am frühen Nachmittag wird das Flugzeug nun erst gegen 18:00 Uhr in Kathmandu landen. Somit war der Plan, an diesem Nachmittag Kathmandu anzuschauen, nicht mehr umsetzbar. Da man solche Dinge nicht ändern kann, macht es auch keinen Sinn, sich darüber zu ärgern. Ich hoffte dafür, dass mein Pech für diese Reise aufgebraucht war und von nun an alles nach Plan verlaufen wird.

Nach einer gefühlten Ewigkeit landete die Maschine schliesslich sicher und sanft am Tribhuvan International Airport. Die Einreiseformalitäten zogen sich dann noch etwas in die Länge, aber schon bald konnte ich den Flughafen verlassen und sah mich um. Eine grössere Menschenmenge war beim Ausgang versammelt. Die meisten der Wartenden hatten Schilder oder A4 Papiere in den Händen und schienen auf die ankommenden Touristen zu warten. Nach kurzer Suche fand ich meinen Namen auf einem Schild und winkte der Person zu. Es war Ganga, der Inhaber von Nepal Hiking Team, mit dem ich bereits per E-Mail Kontakt hatte und der für mich diese Reise organisierte. Nach einer freundlichen Begrüssung gingen wir zum Auto und fuhren ins Stadtinnere zum Hotel. Während der Fahrt schaute ich gebannt aus dem Fenster in die mir noch unbekannte Welt. Wie bei jeder Reise versuchte ich so viele Momente wie möglich aufzusaugen. Noch während der Fahrt ging Ganga mit mir das Programm der kommenden Tage durch.

Morgen früh werden wir sogleich wieder zum Flughafen fahren für meinen kurzen Inlandflug nach Lukla. Dort wird mein Guide für die nächsten zwei Wochen bereits auf mich warten und das Trekking wird beginnen. Die nächsten Tage sollten wie folgt aussehen:

Lukla (2’860 m) – Phakding (2’650 m) – 3 Stunden

Phakding (2’650 m) – Namche Bazar (3’440 m) – 6 Stunden

Akklimatisationstag in Namche Bazar mit Wanderung zum Everest View Hotel

Namche Bazar (3‘440 m) – Tengboche (3‘860 m) – 5 Stunden

Tengboche (3‘860 m) – Dingboche (4‘410 m) – 5 Stunden

Akklimatisationstag in Dingboche mit Wanderung nach Nagerjun

Dingboche (4‘410 m) – Lobuche (4‘910 m) – 5 Stunden

Von Lobuche würden wir schließlich bis zum Everest Base Camp (5‘346 m) und auf den Aussichtsberg Kala Patthar (5‘643 m) wandern, ehe der lange Rückweg nach Namche Bazar und Lukla anstand.

Beim Hotel angekommen wollte ich von diesen stundenlangen Wanderungen aber noch nichts wissen. Ich war hundemüde und erschöpft von der langen Reise. Da es nun bereits 19:00 Uhr war und es draußen schnell eindunkelte, beschloss ich im Hotel zu essen und früh ins Bett zu gehen. Die nächsten Tage werden mir alles abverlangen und ich benötigte jedes Quäntchen Energie.

Der abenteuerliche Flug nach Lukla – 23. April 2015

Um 06:00 Uhr musste ich bereits in der Hotel Lobby auf Ganga warten. Da das Frühstücks-Buffet erst später öffnete, gaben mir die Köche ein Fress-Paket zum Mitnehmen auf den Weg. Ganga kam pünktlich und wir fuhren zusammen zum Flughafen. Dort angekommen hiess es dann auch schon wieder Abschied nehmen. Ganga wünschte mir viel Glück für die kommenden Tage und er würde mich am Schluss meiner Reise nochmals besuchen und mich erneut zum Flughafen fahren.

Nun war Warten angesagt bis meine Maschine bereit war. Das Inlandflug-Terminal war ziemlich klein und es gab kaum ausreichend Sitzmöglichkeiten. Den Passagieren wurden Nummern zugeteilt und wenn diese Nummern aufgerufen wurden, musste man sich für das Boarding bereit machen. Es gingen zahlreiche Flüge nach Lukla und pro Flug passten 10-15 Leute in die kleinen Maschinen. Grosse Flugzeuge haben keine Chance auf dem Flugfeld zu landen, da dieses zu kurz und schmal ist.

Der Flughafen in Lukla, gelegen auf 2’860 m, gilt als einer der gefährlichsten der Welt, da die Start- und Landebahn abrupt endet und etwa 600 m in die Tiefe bricht. Der Pilot muss also gut zielen bei der Landung, ansonsten zerschmettert die Maschine an der Felswand. Von Kathmandu fliegt man in nur 30-40 Minuten zu diesem bekannten Ausgangspunkt für diverse Wanderungen im Himalaya Gebiet. Angeflogen werden kann die Landebahn nur bei gutem Wetter. So kann es vorkommen, dass bei tagelanger schlechter Witterung viele Leute in Lukla festsitzen, ehe sie wieder abfliegen können.

Heute machte das Wetter keine Schwierigkeiten und nun war meine Nummer an der Reihe. Die Maschine war bereit und ich stieg mit ca. 10 weiteren Touristen ein. Der Flug war dann schon sehr abenteuerlich und eine einmalige Angelegenheit mit Sicht auf das Himalaya-Gebirge. Definitiv nichts für schwache Nerven und trotzdem ein wunderbares Erlebnis.

Nach ca. 30 Minuten erreichten wir Lukla.

Die Maschine der Tara Air
Die kurze Start- und Landebahn in Lukla

Erste Schritte (Lukla – Phakding, 3 Stunden) – 23. April 2015

In Lukla angekommen machte ich mich zuerst auf die Suche nach meinem Guide. Ich sollte ihn in einem Guest House unmittelbar neben der Landebahn finden. Kaum eingetreten wurde ich bereits fündig und wir begrüssten uns. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartete aber Narayan war mir auf Anhieb sehr sympathisch und ich freute mich nun noch mehr auf die kommenden Tage.

Bevor es losging inspizierte er meine Ausrüstung und schien zufrieden. Dann gab es noch Tee und Frühstück. Eilig hatten wir es nicht, da es nun erst 10:00 Uhr war und die Wanderung nach Phakding nur gut 3 Stunden dauern sollte.

Dann liefen wir los und machten bereits nach 2 Minuten einen ersten Zwischenhalt, denn Narayan musste mich innerhalb des Sagarmatha Nationalparks bei jeder Ortschaft wo ich vorbeikam oder übernachtete an einem Check-Point an- und abmelden. Dies war jeweils nach kurzer Zeit erledigt und nun ging es endlich so richtig los.

Narayan schlug gleich ein forsches Tempo an und ich hatte Mühe mitzuhalten. Als er es bemerkte, verlangsamte er seinen Schritt und passte sich mir an. Wir waren nun immerhin auf 2’800 m und das Atmen fiel mit bereits etwas schwerer. Ich musste mich erstmal an diese neue Höhenlage gewöhnen, während sie für Narayan alltäglich und normal war.

Nach kurzer Zeit liessen wir Lukla hinter uns und folgten dem Fluss Dudhkoshi. Während in der Schweiz das Gebiet auf dieser Höhe nun Hochalpin und die Baumgrenze längst hinter uns wäre, verschiebt sich dies in Nepal um gut 2’000 m nach oben. Bäume wachsen hier bis 4’500 m und daher liefen wir an diesem ersten Tag durch üppige, grüne Landschaften und Wälder. Dazu überquerten wir mehrere Hängebrücken, welche über den Fluss und die teils tiefen Schluchten führten.

Erste Schritte – vor mir läuft Narayan
Eine von mehreren Hängebrücken, die es zu überqueren galt

Nach gemütlichen drei Stunden wandern kamen wir in Phakding an. Wir gingen in unsere Unterkunft und ich konnte den Rucksack in meinem Zimmer ablegen. Dann gab es Mittagessen und den Rest des Tages hatte ich quasi zur freien Verfügung. Ich entschied mich zuerst für ein Nickerchen, immerhin war ich seit 05:00 Uhr wach und hatte nun zwei stressige Tage mit wenig Schlaf hinter mir.

Etwas erholt schlenderte ich am Nachmittag durch das kleine, friedliche Dorf Phakding. Es gab einige Unterkünfte und Restaurants. Obwohl ich mich ziemlich gut fühlte, wollte ich doch keine unnötige Energie verschwenden. Morgen stand eine lange, 6-Stündige Wanderung auf dem Programm mit über 800 Höhenmetern. Daher ging ich schon bald in mein Guest House zurück und fand meinen Weg in den Aufenthaltsraum, wo ich Tee trank und ein Buch las. Dann war schon bald Zeit fürs Abendessen und ich entschied mich für Dal Bhat, das nepalesische Nationalgericht. Ich kam zum ersten Mal in den Genuss dieser Mahlzeit und es schmeckte ausgezeichnet. Ich betrieb noch etwas Small-Talk mit anderen Touristen und verabschiedete mich dann relativ früh in mein Zimmer.

Zeit für ein erstes Zwischenfazit. Nach der verspäteten Ankunft in Nepal schien nun alles wieder auf Kurs zu sein. Ich war dementsprechend zufrieden und schaute mit einem positiven Gefühl auf die nächsten Tage. Das grosse Ziel, den Mount Everest aus der Nähe zu bestaunen, kam immer näher und ich freute mich riesig auf den Augenblick, wo ich zum ersten Mal einen Blick auf den höchsten Berg der Erde erhaschen werde.

Nur nicht zu weit voraus denken. Es ist wohl besser, Tag für Tag zu nehmen. Bei solch einem Unterfangen kann alles passieren und ein gewisses Risiko ist immer vorhanden. Ein Fehltritt oder ein verstauchter Knöchel und die Reise wäre vorbei. Eine Verletzung musste unter allen Umständen vermieden werden. Das Wetter war ein weiterer Faktor, der ein schönes Erlebnis zunichte machen könnte. Fall es tagelang regnen würde, wäre das sicherlich eine Reise zum Vergessen. Aber bleiben wir positiv. Wenn alles einigermassen normal läuft, wird schon nichts passieren.

Die Luft wird dünner (Phakding – Namche Bazar, 6 Stunden) – 24. April 2015

Heute wollten wir früh loslegen. Nach dem Frühstück machten wir uns Abmarschbereit und liessen noch vor 09:00 Uhr Phakding hinter uns. Erneut dem Fluss Dudhkoshi folgend ging es bald stetig aufwärts und ich spürte nun die Höhe. Die Schritte wurden mühsamer und das Atmen fiel zunehmend schwerer. Reiss dich zusammen! Wir sind erst auf knapp 3’000 m. Wo soll das hinführen, wenn du jetzt schon fast alle 10 Minuten eine Pause brauchst. Ich wusste es nicht, hoffte aber, dass mein Körper sich je länger je besser an die Höhe gewöhnen wird. Positiv war, dass ich keine körperlichen Beschwerden hatte, einzig die Höhe schien mich etwas zu lähmen.

Es ging weiter hinauf durch Kiefer- und Zedernwälder und dann erreichten wir ein kleines Dorf, wo wir eine Pause einlegten und zu Mittag assen.

Die letzte Stunde, bevor wir Namche Bazar erreichten, war dann nochmals ziemlich anstrengend. Irgendwann waren aber auch die letzten Höhenmeter geschafft und wir erreichten nach 6 Stunden unser Ziel des heutigen Tages.

Das Dorf Namche Bazar ist ein historischer Handelsposten, an dem nepalesische und tibetische Händler Lebensmittel und Waren austauschen. Das Dorf ist nicht nur ein hervorragendes Ziel, um traditionelles Kunsthandwerk zu kaufen, sondern ist auch ein zentraler Handelsposten in der Region, der Händler aus dem Himalaya und dem Tiefland anzieht. Gelegen auf 3’440 m zählt Namche Bazar ca. 1’600 Einwohner und hat viele Restaurants und Geschäfte, wo man alles kaufen kann was zum Trekking benötigt wird. Die Preise sind allerdings wesentlich höher als zum Beispiel in Kathmandu, da sämtliche Waren nur durch Träger oder Lasttiere in das Dorf befördert werden.

Es war nun 15:00 Uhr und ich ging schnurstracks in mein Zimmer und ruhte mich aus. Danach folgte die übliche Routine mit den 3 A: Abendessen! Ausruhen! Augen zu!

Namche Bazar
Stupa in Namche Bazar

Die abgebrochene Akklimatisationstour (Namche Bazar) – 25. April 2015

Augen auf! Ein ganzer Tag in Namche Bazar und Umgebung stand an. Dieser Tag war speziell für die Akklimatisation vorgesehen und bei gutem Wetter könnte ich tatsächlich zum ersten Mal aus der Ferne den Mount Everest sehen. Eilig hatten wir es nicht und irgendwann nach dem Frühstück liefen wir los und machten uns auf den Weg in Richtung Syangboche Flugfeld. Gelegen auf 3‘750 m ist es eines der höchsten Flugfelder der Welt. Das Wetter war leider gar nicht gut. Es war stark bewölkt und neblig. Im Nachhinein sagte ich mir, dass das schlechte Wetter das kommende Unglück ankündigte und vielleicht war das tatsächlich der Fall.

Wir waren gerade beim Flugfeld angekommen, als es anfing zu regnen. Toll, dachte ich, keine Aussicht und jetzt werden wir auch noch nass. Aber was soll man machen. Ich ziehe besser heute einen Schlecht-Wetter-Tag ein als in den kommenden Tagen, wo wir wieder mehrere Stunden wandern werden. Eigentlich hätten wir gemäß Plan noch weiter bis zum Everest View Hotel laufen sollen, um einen großartigen Panoramablick auf den Everest, Lhotse, Ama Dablam usw. zu genießen. Daraus wurde nun allerdings nichts. Narayan gefiel das Wetter auch nicht besonders und so entschied er, dass wir besser wieder ins Dorf runtergehen. Es war natürlich eine Illusion zu glauben, dass jeden Tag ein Prachtswetter herrschen würde, aber etwas enttäuscht war ich nun doch. Somit musste der Everest noch mindestens einen Tag warten. Morgen wird es dann aber ganz sicher soweit sein…

Beim runterlaufen waren die Steine vom Regen schon etwas glitschig und man musste aufpassen, nicht auszurutschen.

Wieder zurück im Zimmer legte ich mich aufs Bett und las in meinem Buch. Schon bald schob ich es aber auf die Seite, schloss meine Augen und wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass in wenigen Minuten ein Erdbeben der Stärke 7.8 ganz Nepal erschüttern wird.

Das im Nebel verhangene Syangboche Flugfeld, gelegen auf 3’750 m
Namche Bazar von oben

Und plötzlich ist alles anders (Namche Bazar) – 25. April 2015

Es ist ein Erdbeben! Schnell raus…

Ich hatte im ersten Moment keine Ahnung was los war. Noch nie zuvor hatte ich ein Erdbeben erlebt und es war so ziemlich das Letzte auf der Welt, was ich erwartet hätte. Mein Verstand konnte es in den ersten Sekunden gar nicht begreifen und daher blieb ich, als die Wände zu zittern begannen, erstmal auf dem Bett liegen. In diesen ersten Augenblicken war ich eher erstaunt als besorgt oder verängstigt. Wie gesagt wusste ich nicht was los war und wusste daher auch nicht, wie ich reagieren sollte.

Das Beben liess aber nicht nach und die Wände fingen noch stärker an zu zittern. Endlich fiel bei mir der Groschen. Ich zog schnell die Schuhe an, schnappte meine Jacke und rannte die Treppe runter nach draussen. Narayan stand bereits dort mit ein paar anderen Leuten. Ich ging zu ihm und fragte was los war. Natürlich wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand eine Antwort auf diese Frage.

Tatsächlich erlebte ich hier den Auftakt einer ganzen Reihe von Erdbeben und Nachbeben. Sie gingen in die Geschichte ein als die tödlichste Katastrophe Nepals. Laut der nepalesischen Regierung starben in Nepal knapp 8’800 Menschen an den Folgen der Beben und es gab über 22’000 Verletzte.

Dem ersten und stärksten Beben zur Mittagszeit am 25. April 2015 mit einer Stärke von 7.8 auf der Richterskala, folgten in den nächsten Tagen und Wochen zahlreiche weitere Nachbeben. Das Epizentrum des zweitstärksten Bebens (7.2) ereignete sich am 12. Mai 2015 mit Epizentrum ganz in der Nähe von Namche Bazar.

Bei dem Unglück kamen beim Mount Everest auch mehrere Bergsteiger ums Leben, denn das Erdbeben löste eine Lawine aus, welche auf das Base Camp donnerte.

Mir wurde schnell bewusst, dass ich Glück im Unglück hatte weil meine Unterkunft stabil gebaut war. Ein Blick auf umliegende Häuser zeigte ein Bild der Verwüstung. Besonders kleinere Bauten waren regelrecht in sich zusammengefallen.

Viele Häuser wurden zerstört

Die Angst vor Nachbeben und der Abbruch des Trekkings (25. – 26. April 2015)

Ich nehme es vorneweg: Den Everest habe ich während dieser Reise nicht gesehen. Dies war jedoch zu dem Zeitpunkt die geringste meiner Sorgen und auch völlig unwichtig. Es ging nun vor allem darum, heil aus dieser Situation rauszukommen.

Den Grossteil des Nachmittags verbrachte ich draussen vor der Unterkunft herum stehend und wartete auf weitere Informationen. Sämtliche Kommunikationskanäle schienen still gelegt und somit war es schwierig herauszufinden, was genau passiert ist. Erst nach und nach sickerten erste Neuigkeiten durch und gegen Abend hatte man dann einen ersten Überblick. So richtig bewusst wurde das Ausmass der Katastrophe aber erst in den folgenden Tagen.

Die Unterkünfte und Gästehäuser in Namche Bazar wurden nun schnell voll, denn von den höher gelegenen Dörfern wollten die meisten Touristen so schnell wie möglich nach unten. An diesem Abend lernte ich noch Dirk kennen, einen Deutschen Trekker der solo und ohne Guide unterwegs war und wir teilten uns fortan ein Zimmer für die kommenden Nächte.

Die allgemeine Stimmung war an diesem Abend natürlich sehr bedrückt und die nächsten Stunden verliefen äusserst unangenehm. Die Angst vor einem schweren Nachbeben war allgegenwärtig. Nach dem Abendessen wartete ich mit Dirk und zwei Dutzend weiteren Touristen solange wie möglich draussen, denn niemand wollte in seinem Zimmer sein falls es tatsächlich zu einem Nachbeben kommen sollte. Ewig konnte man jedoch auch nicht draussen herumstehen. Je später es wurde je kälter wurde es und ausserdem setzte die Müdigkeit ein. Irgendwann war der Wille dann gebrochen und nach und nach leerte sich der Platz und die Leute gingen widerwillig in ihre Zimmer für die Nachtruhe. Auch mir erging es nicht anders und daher legte ich mich voll bekleidet ins Bett, so dass ich bei einem Nachbeben keine Zeit verlieren würde und schnell wieder nach draussen rennen könnte. Lange dauerte es nicht. Ich schlummerte vor mich hin und war kurz davor wegzutreten als die Wände tatsächlich wieder zu zittern begannen. Das durfte doch alles nicht wahr sein. Dirk erwachte ebenfalls und wir rannten aus dem Zimmer. Im Gang waren bereits andere Leute dabei das Gleiche zu tun und wir mussten aufpassen, uns nicht gegenseitig über den Haufen zu rennen. In solch einer Situation ist sich jeder selbst am Nächsten, aber ein gewisses Mass an Rücksicht sollte trotzdem noch vorhanden sein. Draussen angekommen sah ich eine grosse Menge an Leuten versammelt, alle schläfrig, nervös und ängstlich. Nach ein paar Minuten war der Spuk vorbei und wir kehrten in unsere Zimmer zurück. Ich hoffte, dass der Rest der Nacht ruhig verlaufen wird und fiel schon bald in einen unruhigen Schlaf.

Die Nacht verlief ohne weitere Zwischenfälle (oder ich bemerkte es zumindest nicht) und ich ging runter in den Aufenthaltsraum für mein letztes Frühstück in Namche Bazar. Narayan war bereits dort und wir besprachen nun das weitere Vorgehen. Er machte sich grosse Sorgen um seine Familie, welche in einem Dorf etwas ausserhalb von Kathmandu auf einer Farm wohnte und er hatte noch keine Möglichkeit mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Er fragte mich, ob ich das Trekking weitermachen oder abbrechen wollte. Für mich stellte sich diese Frage nicht, selbstverständlich wollte ich abbrechen. Da gab es aus meiner Sicht überhaupt nichts zu diskutieren. 95% der anderen Touristen entschieden sich gleich, aber es gab tatsächlich ein paar Leute, die weiter aufwärts und das Trekking fortsetzen wollten. Ich fand dies ziemlich unvernünftig, aber sollen sie machen was sie wollen. Mir war das Risiko viel zu hoch, denn es konnten jederzeit starke Nachbeben eintreten und je höher oben man war, je abgeschnittener von der Aussenwelt war man. Ausserdem war das Lawinenrisiko in den höher gelegenen Regionen sicher auch nicht gerade klein. Nein, weitermachen wäre keine gute Idee gewesen und ich wollte so schnell wie möglich zurück nach Lukla und Kathmandu.

Keine Stunde später machten wir uns deshalb bereits auf den Weg in Richtung Lukla. Der Plan war, die gesamte Strecke ohne längere Unterbrüche durchzumarschieren, damit wir am späteren Nachmittag in Lukla eintreffen. Dirk schloss sich uns an und so liefen wir zügig los und brachten die ersten paar Kilometer schnell hinter uns.

Während des Abstiegs sah ich weitere Zeichen der Zerstörung wie in sich gefallene Häuser. Ausserdem lagen nun grosse Steine und Felsbrocken auf dem Weg und es lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Vor zwei Tagen bin ich hier hochgelaufen, auch etwa zur Mittagszeit. Wäre das Erdbeben 48 Stunden früher gekommen…wer weiss wie das geendet hätte.

Da der Fels möglicherweise noch brüchig war und durchaus weitere Steinschlaggefahr drohte, liefen wir so schnell wie möglich nach unten. Der Abstieg war mental ziemlich ermüdend. Man musste mit einem Auge nach unten auf den Weg schauen und aufpassen, dass man sich keinen Fehltritt leistete. Gleichzeitig, weil neben uns Fels war, schaute ich auch immer wieder nach oben und hielt nach möglichem Steinschlag Ausschau. Nach zwei Stunden wurde das Gelände dann endlich ebener und wir konnten uns ein wenig entspannen.

Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter. Wir hatten noch eine heikle Passage zu meistern als wir durch ein Waldstück liefen. Der schmale Weg war durch einen Erdrutsch zugeschüttet und dies verhinderte ein Weitergehen. Links vom Weg war eine Schlucht und der Fluss und rechts ging es den Wald hinauf. Hier mussten wir kurz innehalten und eine Lösung finden. Über den verschütteten Weg zu klettern erschien als zu gefährlich, denn es sah ziemlich rutschig aus und bei einem Fehltritt würde man links steil in den Fluss runterfallen. Also rechts den Wald hinauf. Klingt einfacher als es war. Zuerst mussten wir 50 Meter steil den Wald hochlaufen. Dann etwa 20-30 Meter geradeaus durch dichtes Gestrüpp und schlussendlich wieder 50 Meter runter um auf den Weg zu kommen.

Wir waren alle sehr froh, als wir am späten Nachmittag unversehrt Lukla erreichten. Dirk und ich teilten wieder ein Doppelzimmer und ruhten uns ein wenig aus. Es war noch unklar, wie es weitergehen sollte. Sämtliche in Lukla gestrandeten Trekker wollten natürlich so schnell wie möglich nach Kathmandu zurück fliegen. Dafür müssten in den kommenden Tage viele Flüge operieren und ausserdem musste sich das Wetter markant verbessern, denn bei der momentanen Situation (Wolken und Nebel) war an einen Flugbetrieb nicht zu denken. Man wusste zu diesem Zeitpunkt ja auch nicht, ob die Flugzeuge beim Erdbeben einen Schaden erlitten haben, möglicherweise waren viele Maschinen defekt und mussten zuerst repariert werden.

Momentan war ich aber nur froh, heil in Lukla angekommen zu sein. Der Rückflug nach Kathmandu wird sich schon irgendwie regeln, da hatte ich vollstes Vertrauen in Narayan und Nepal Hiking Team.

Der Aufenthaltsraum beim Abendessen war dann schon ziemlich voll und in den nächsten Tagen würde es noch voller werden, falls sich das Wetter nicht besserte und der Flugbetrieb eingestellt blieb. Ich malte mir Horrorszenarien aus, wo Lukla völlig überfüllt mit Touristen war, die keine Möglichkeit hatten wegzukommen. Essensvorräte werden schnell knapp und die Einheimischen würden zuerst an sich denken, wenn nicht mehr viel vorhanden war. Ich stellte mir vor, dass ein regelrechter Kampf um Getränke und Lebensmittel stattfinden wird.

So schlimm wurde es dann zum Glück nicht, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass die Portionen bei den Mahlzeiten jeden Tag etwas kleiner wurden.

Nach dem Abendessen war dann schon bald Nachtruhe angesagt aber die Sorge vor weiteren Nachbeben blieb auch in dieser Nacht ein ständiger Begleiter.

Ich stecke in Lukla fest (27 – 29. April 2015)

27. April. Gestern Abend sind wir in Lukla angekommen. Heute war das Wetter erneut neblig und bewölkt. An einen Flugbetrieb war weiterhin nicht zu denken. Trekker und Bergsteiger, welche nach unten wollen, erreichten Lukla dafür im Minutentakt und ich fragte mich erneut ernsthaft, wie lange die Lebensmittelvorräte halten werden.

Den Grossteil des Tages verbrachte ich mit Dirk in einem Restaurant und wir diskutierten über die momentane Situation. Es sah nicht gut aus. Wenn sich doch nur das Wetter bessern würde.

Etwas später sprach ich noch mit Narayan und er prüfte die lokale Wettervoraussage. Bereits morgen sollte es aufhellen. Das waren doch mal positive Nachrichten.

Inzwischen funktionierte auch das Internet wieder und ich konnte endlich Familie und Freunde zu Hause informieren, dass ich Glück im Unglück hatte und es mir den Umständen entsprechend gut ging. Abgesehen davon war an diesem Tag viel Geduld und Warterei angesagt. Mit Dirk machte ich noch einen Spaziergang durch Lukla und dann neigte sich dieser Tag auch schon dem Ende zu.

28. April. Das Wetter ist tatsächlich besser geworden. Endlich. Nun war ich gespannt, ob heute geflogen werden kann und ob die ersten Touristen von Lukla nach Kathmandu transportiert werden. Es dauerte nicht lange und ich hörte bereits das Geräusch einer anfliegenden Maschine. Was für ein wunderbarer Anblick! Eine allgemeine Woge der Erleichterung war in Lukla zu spüren und im Verlauf des Tages kamen und gingen über ein Dutzend Flugzeuge.

Ich wusste nicht genau, nach welchen Kriterien und nach welcher Reihenfolge die Touristen nun weggeflogen wurden. Wahrscheinlich war es eine Frage des ursprünglich gebuchten Datums und möglicherweise auch des Geldes. Mein vorab gebuchter Rückflug nach Kathmandu wäre ja eigentlich erst in gut einer Woche gewesen. Ich ging daher davon aus, dass nun erstmal sämtliche Leute an der Reihe waren, die auch ohne Erdbeben vor mir abgeflogen wären.

Zum Abschluss doch noch gutes Wetter

29. April. Wieder gutes Wetter, sogar wolkenlos und beim Frühstück hatte Narayan grossartige Nachrichten für mich. Die Agentur hat es geschafft, mich auf einen Nachmittagsflug nach Kathmandu zu buchen. Ich werde Lukla also heute noch verlassen können.

Nun ging alles sehr schnell. Ich packte meine Sachen und machte mich Abflugbereit. Narayan wird mit mir zusammen fliegen. Dirk musste sich jedoch noch eine Weile gedulden. Da er solo und ohne Agentur unterwegs war, musste er selber die Fluggesellschaften kontaktieren und konnte Lukla dann schlussendlich zwei Tage später ebenfalls verlassen. Wir assen noch einmal zusammen Mittag und verabschiedeten uns dann voneinander.

Danach gingen Narayan und ich zum Flugfeld und warteten auf unsere Maschine. Er erzählte mir noch, dass es seiner Familie gut ging, jedoch starb beim Erdbeben ein Ochse auf seiner Farm. Bereits am Vormittag habe ich ihm ein Trinkgeld gegeben. Er wird es gut gebrauchen können in der nächsten Zeit. Falls ich in der Zukunft nach Nepal zurückkehre, werde ich ihn auf jeden Fall kontaktieren und würde mich sehr freuen, wenn er wieder mein Guide sein wird.

Während des Fluges schaute ich aus dem Fenster und war gleichzeitig erleichtert und enttäuscht, Lukla hinter mir zu lassen.

Zurück in Kathmandu – 29. April 2015

In Kathmandu angekommen wartete bereits ein Fahrer auf uns. Hier war der Zeitpunkt gekommen, mich von Narayan zu verabschieden. Wir wünschten uns einander alles Gute und sagten Lebe Wohl.

Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel wirkte dann surreal. Viele eingestürzte Häuser und ein Geruch von Asche in der Luft erinnerten an eine Stadt, die sich im Krieg befand. Mein Rückflug nach Zürich wäre erst in einer Woche, solange konnte und wollte ich unmöglich hierbleiben. Ich hatte nun etwas Zeit mich während der Fahrt zu sammeln und wollte nachher im Hotel schnell die nächsten Schritte planen.

30 Minuten später war ich wieder in meinem Hotelzimmer in Kathmandu. Es galt nun einen Plan zu schmieden, wie ich das Land so schnell wie möglich verlassen konnte. Mein Rückflug nach Zürich mit Turkish Airlines war erst am 5. Mai, das wären also noch 6 volle Tage. Viel zu lange um in diesem vom Unglück erschütterten Land zu verweilen. Auf der einen Seite hatte ich Angst vor weiteren Nachbeben und auf der anderen Seite wollte ich hier keine Ressourcen verschwenden, welche die gebeutelte Bevölkerung dringend nötig hatte. Sehenswürdigkeiten anzusehen war ebenso absurd wie fehl am Platz, denn das Land war im Krisenmodus und sogar Touristenattraktionen in der Hauptstadt wurden vom Erdbeben zerstört. Nein, es galt nun kühlen Kopf zu bewahren und so bald wie möglich zu verschwinden.

Als erstes rief ich Turkish Airlines an und wollte meinen Flug auf einen früheren Zeitpunkt umbuchen, je früher je besser. Nach kurzer Wartezeit erreichte ich einen Call Center Agenten, gab meine Buchungsdetails durch und fragte, ob es möglich sei, bereits Morgen oder Übermorgen abzufliegen statt erst am 5. Mai. Nach kurzer Überprüfung die Ernüchterung: Alles ausgebucht. Verdammt! Eine Umbuchung war also keine Option. Ich ging im Kopf weitere Möglichkeiten durch, wie ich das Land verlassen konnte und suchte nach Alternativen. Tatsächlich war dies eine knifflige Aufgabe, denn fast alle Flüge für den morgigen Tag waren ausgebucht. Es schien, viele Leute hatten die gleiche Idee wie ich und wollten so schnell wie möglich von Kathmandu weg. Ok, ruhig Blut, es wird sich schon eine Lösung finden. Da es tatsächlich keine vernünftigen Verbindungen nach Zürich gab entschloss ich mich für einen anderen Weg. Wieso nicht zwei einzelne One-Way Flüge buchen? Ich könnte zuerst nach Bangkok, Singapur oder Dubai fliegen und dann von dort mittels Direktflug zurück nach Zürich. In meinem Zwischenstopp könnte ich sogar noch 2-3 Tage verweilen, immerhin hatte ich ja noch Ferien. Gesagt getan. Ich ging die verschiedenen Varianten durch und schaute auf Flugzeiten sowie natürlich auch auf die Preise. Schlussendlich war die mit Abstand beste Option mit FlyDubai zuerst nach Dubai zu fliegen und dann, zwei Tage später, mit Emirates nach Zürich. Ich buchte die Flüge sofort online. Der Flug nach Dubai ging morgen zur Mittagszeit. Ich informierte umgehend Ganga über meine Buchung damit er mich morgen Vormittag nach dem Frühstück abholen kommen und zum Flughafen fahren wird.

Nun konnte ich endlich etwas entspannen. Es war bereits Abend und ich war völlig erschöpft. Körperlich, aber vor allem mental, waren die letzten Tage sehr anstrengend. Ich bestellte noch etwas zum Essen via Room Service und schlief dann schon bald tief und fest ein.

In Sicherheit – 30. April 2015

Ganga kam pünktlich nach dem Frühstück. Ich freute mich, ihn wieder zu sehen. Da wir noch Zeit hatten, sprachen wir über die letzten Tage und erzählten uns gegenseitig, wie wir das Erdbeben erlebt haben. Er wollte auch wissen, wie sich Narayan geschlagen hatte und natürlich lobte ich ihn in den höchsten Tönen. Dann fuhr mich Ganga zum Flughafen und es hiess abermals Abschied nehmen.

Mittagszeit. Ich war am Flughafen und wartete geduldig auf das Öffnen meines Check-In Schalters. Eine Stunde später war mein Gepäck dann aufgegeben und das Boarding hatte ich auch hinter mir. Auf meinem Platz in der Maschine von FlyDubai sitzend, schloss ich die Augen. In Gedanken versunken liess ich die letzten paar Tage nochmals Revue passieren. Was für ein Erlebnis. Was für eine Tragödie für Land und Leute. Den Everest habe ich nicht gesehen, was natürlich Jammerschade ist. Viel wichtiger war jedoch, gesund und unverletzt zu sein. Irgendwann werde ich zurückkehren und das Trekking nochmals versuchen, dann hoffentlich ohne Erdbeben oder sonstige Naturkatastrophen.

Was ich gelernt habe: Es ist wichtig in einer Krisensituation kühlen Kopf zu bewahren. Wenn man in Panik verfällt hilft man weder sich selber noch seinen Mitmenschen. Ausserdem sollte man die eigenen Interessen zurückstellen. Es gab ein paar wenige Touristen, die nach dem Erdbeben tatsächlich das Trekking weitermachten. Dies hätte auch ich so entscheiden können. Es wäre jedoch unfair gegenüber meinem Guide und den Einheimischen gewesen. Narayan musste und wollte (auch wenn er es nicht zugeben würde) so schnell wie möglich in sein Dorf zu seinem Haus und seiner Familie um nach dem Rechten zu sehen. Ausserdem wurden wie vorab erwähnt die Lebensmittelvorräte in den abgelegenen Bergdörfern knapp und die Einheimischen waren darauf angewiesen.

Ich öffnete die Augen. Der Antrieb der Maschine brachte mich zurück ins Hier und Jetzt. Endlich hob das Flugzeug ab und ich warf ein paar letzte Blicke auf Nepal. Schon bald durchbrachen wir die Wolkendecke und die vergangenen Tage schienen plötzlich weit in der Vergangenheit zu liegen.

Dubai war dann wie immer einen Aufenthalt wert. Nach zwei Tagen erfolgte der Rückflug in die Schweiz und somit war eine weitere Reise vorbei, jedoch noch nicht abgeschlossen. Dies ist erst dann der Fall, wenn ich das zwei wöchige Everest Base Camp Trekking irgendwann in der Zukunft erfolgreich absolvieren werde.

Namaste.

Danke fürs Lesen!

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